Jahresbericht 2024
Gerne überbringe ich den Gruss und die Dankesworte aus Béog-Neeré.Wir möchten unseren Partnern und Freunden des Vereins Hilfswerk für Heim- und Strassenkinder Burkina Faso, dem Chramschopf und all ihren Freunden, die uns bedingungslos unterstützen und uns bei unseren Projekten im Zusammenhang mit Strassenkindern begleiten, erneut unseren grossen Dank aussprechen. Wir danken auch allen Freunden, die uns bei diesem sozialen und unverzichtbaren Werk zugunsten der armen Bevölkerungsschichten unterstützen.
Zu Beginn des Schuljahres 2024/2025 wohnen 20 Kinder (23 Kinder im Vorjahr), zwischen 8 und 19 Jahren im Heim. 7 Kinder (5 Kinder im Vorjahr) besuchen die Schule Maurice Lack und 3 Kinder (7 Kinder im Vorjahr) gehen ins Lyceé de L’Alliance Chrétienne (LAC). 3 Kinder wurden aus dieser Schule ausgeschlossen, da sie wiederholt das geforderte Niveau nicht erreicht hatten. Sie konnten erfolgreich in anderen Schulen platziert werden. 10 Kinder besuchen verschiedene höhere Schulen in der Umgebung.
Unter den extern lebenden Kindern und Jugendlichen besuchen 6 Kinder zwischen 10 und 19 Jahren öffentliche Schulen und Ausbildungszentren. 6 Jugendliche zwischen 19 und 22 Jahren fanden Praktikumsplätze nach ihrem Abschluss der Berufsschule. 1 begabter 19-jähriger Jugendlicher verbringt das Schuljahr 2024/2025 als Internatsschüler in Ziniaré und 2 Kinder sind in einer Internatsschule für praktische Berufe in Koudougou eingeschrieben. 1 Jugendlicher, 25-jährig, ist an der Universität Virtuelle de Karpala in Ouagadougou eingeschrieben
Im September 2024 konnten wir 5 neue Kinder zwischen 9- und 11-jährig im Heim aufnehmen.
Unser Verein kommt im Jahr 2024/2025 für 36 Kinder und Jugendlichen (im Vorjahr 37) auf.
Anfang des neuen Schuljahrs 2024/2025 haben 5 Jugendliche den schützenden Rahmen des Heims verlassen. Sie werden weiterhin durch uns betreut. Alle 5 Jugendliche erhielten gute Praktikumsplätze in den Berufen, die sie gewählt haben.
Salam Barry, geb. 2004, lebte 12 Jahre im Heim. Er schloss seine Ausbildung als Agent de Maitrise en Transit erfolgreich ab. Er wohnt wieder bei seiner Familie in Kamboinsin.
Maxim Ouédraogo, geb. 2004, lebte 14 Jahre im Heim. Er hat den gleichen Beruf wie Salam gewählt, erfolgreich abgeschlossen und lebt heute im Viertel Rimkièta, Ouagadougou.
Alfred Kaboré, geb. 2. 3. 2003, lebte 13 Jahre im Heim. Er setzte seine Ausbildung als Automechaniker in Ziniaré fort. Es beendete seine Ausbildung als 3. Bester des ganzen Landes. Er lebt heute bei seiner Familie in Bassingo, Ouagadougou.
Sidwaogo Ziwaga, geb. 7. 12. 2003, lebte 8 Jahre im Heim. Auch er entschloss sich zu einer Lehre als Automechaniker und besuchte wie seine Freunde das Institut in Ziniaré, wo er seine Ausbildung als 2. bester Schüler abschloss. Er lebt heute bei seiner Familie in Kamboinsin.
Stéphane Nanama, geb. 2. 8. 2005, lebte 11 Jahre im Heim. Er setzte seine Ausbildung zum Feinmechaniker ebenfalls in Ziniaré fort. Heute lebt er bei seiner Familie in Ouagadougou.
Leider müssen wir feststellen, dass ein guter Abschluss in einem Beruf nicht automatisch zu einer Anstellung führt.
Mit einem gelungenen grossen Fest wurden Omar Ilboudo, Gaëtan Yaméogo, Amado Tiemtoré und Amidou Barry, 21-jährig vom Heim verabschiedet. Diese 4 Jugendlichen stehen heute auf eigenen Füssen. Über viele Jahre hinweg haben wir diese jungen Menschen begleitet. Ich bin überzeugt, dass wir immer wieder von ihnen hören werden.
Krankheiten der internen Kinder
13 Kinder erkrankten im Laufe des Jahres an Malaria. Zum Teil mussten sie sich in Spitalpflege begeben. Einige der Kinder klagten über Kopf- und/oder Bauchschmerzen, einigen schmerzten die Augen und wieder andere verstauchten sich die Glieder. Eines der neuen Kinder hat Allergien und wurde im Spital gründlich untersucht. Es wurde eine Anämie, eine Harnweginfektion und Kalziummangel festgestellt. Er bekam eine 3-monatige Kur verschrieben.
9 Kindern mussten Zahnsteine entfernt werden und 7 Kinder hatten Karies. Diese Behandlungen wurden in den Sommerferien durchgeführt.
Personelles
Für das Zentrum arbeiten 10 Personen in einer Vollanstellung und 2 Personen in einem Teilzeitverhältnis. Der Vorstand von Kiswendsida, mit Joanny Tapsoba als Präsident, Béatrice Monné als Quästorin sowie Solange Tessambédo, sind für einen reibungslosen Betrieb im Heim besorgt. Unterstützt wird der Vorstand durch den Sekretär Job Armand Kanaba, der alle Berichte verfasst und an jeder Sitzung anwesend ist. Sie alle stehen auf unserer Lohnliste. Solange Tassembédo arbeitet weiterhin im Heim als Direktorin in einem 100 % Pensum. Einzelne kleinere Mandate werden das ganze Jahr über von Joanny Tapsoba an geeignete Personen vergeben.
Im Laufe des Jahres wurden für das Personal von externen Fachkräften verschiedene Schulungen in Theorie und Praxis durchgeführt. Computerkenntnisse, Kommunikation im beruflichen Umfeld, Gartenarbeiten nur um einige wenige zu nennen. Am Ende jedes Kurses gab es Zertifikate.
Hygiene
Wie jedes Jahr führt Béatrice Monné die Kinder in die einfachsten Hygienemassnahmen ein. Das Händewaschen sowie der Gebrauch von Moskitonetzen werden im Beisein aller Kinder geübt. Zwei Mal am Tag müssen alle Kinder und Jugendliche duschen. Jeden Samstag waschen die kleineren Kinder unter der Obhut einer Köchin ihre Kleider und die Jugendlichen erledigen diese Arbeit selbstständig am Sonntag.
Immer wieder wiesen Marianne Theurer und ich auf die Mundhygiene hin. Auch wenn jedes Kind Zahnbürste und Zahnpasta erhalten, fehlt die nötige Überwachung durch das Personal. Nachdem zwei Kindern Backenzähne wegen Karies gezogen wurden, haben wir mit Nachdruck auf einem Besuch beim Zahnarzt beharrt. Es freut uns sehr, dass die Kinder endlich zu einer Zahnkontrolle ins Zahninstitut geführt wurden.
Unser eingezäuntes Gelände ist in etwa zwei gleich grosse Flächen geteilt.
Im 1. Hof stehen die Schlafräume, das Sekretariatsgebäude, die Küche, zwei Paillottes, WC’s, Duschen und die Schule Maurice Lack. Hier befindet sich auch der handbetriebene Brunnen.
Im 2. Hof steht das Magazin, der Hühnerstall und der zurzeit ungenutzte Schweinestall. Der solarbetriebene Brunnen befindet sich neben dem Gemüsegarten, der mit einem Zaun vom Rest abgetrennt ist. Der Gemüsegarten nimmt etwa ein Drittel des zweiten Hofes ein.
Garten- und Feldarbeit
Im Juli 2024 beginnt mit der Regenzeit die Feldarbeit. Jäten, pflügen und aussähen, alles auf biologischer Basis. Unter der Leitung von Richard Kafando wurde der Gemüsegarten in eine grüne Oase verwandelt. 10 verschiedene Gemüsesorten wurden angepflanzt und geerntet. Bohnen-, Erdnuss- und Maiskörner wurden in die gerodeten und gut vorbereiteten Flächen gesteckt. Das Ernten der Feldfrüchte erfüllen die Kinder mit Freude und Genugtuung. 9 Kg Mais, 39 Kg Erdnüsse, 45 kg Bohnen und 6 Kg Moog-Been Bohne sind das stolze Ergebnis der harten Arbeit.
Kompostgrube
Wie jedes Jahr sammeln die Kinder im Dezember auf dem ganzen Gelände alles Verwertbare für die Herstellung von Kompost. Der wird mit Mist und Asche angesetzt und mit Wasser getränkt. Danach lässt man ihn reifen. Verwendung findet er in neuen Pflanzgruben der Bäume und wird zudem im ganzen Garten verteilt. Zur Gewinnung des wertvollen Komposts musste nur der Mist eingekauft werden.
Aufforstung und Pflege der Bäume
Wie immer pflegen die Kinder ihre Bäume selber und während den Ferien werden sie durch den Tageswächter mit dem nötigen Nass versehen. Die Bäume der Kinder stehen im 2. Hof oder im Gemüsegarten. Auch dieses Jahr gingen wieder einige Bäume ein. Je 3 Guava- und Mangobäume sowie ein Affenbrotbaum fielen den Termiten zum Opfer. Im Juli 2024 beschenkte der Verein Les Hèroines du Faso die Bewohner mit 18 neuen Pflanzen. Somit konnten auf dem Gelände 75 Bäume gezählt werden.
Hühnerhof
2024 rannten 1 Hahn, 11 Hühner und 4 Küken im geschlossenen Hühnerstall umher. Die Tiere werden mit grosser Freude von den Kindern versorgt.
Sommercamp, Feriencamp, Camp vacance
Bereits konnte das 7. Sommercamp durchgeführt werden, das auf je 2 Mal 3 Wochen verteilt wurde. Der erste Teil fand zu Beginn der Sommerferien und der zweite Teil vor Beginn des neuen Schuljahres statt. Die Kinder wurden wie immer in 4 Gruppen eingeteilt.
Küche
Die Kinder halfen den Köchinnen nicht nur bei der Zubereitung von Mahlzeiten, sondern putzten und wuschen die Küche, die Schränke und das Geschirr. Sie sammelten Kräuter im Garten und hängten sie zum Trocknen auf.
Verschiedene Werkstätte ausserhalb des Zentrum Béog-Neeré
In der ersten und zweiten Phase des Feriencamps durften die Heimbewohner ihrem Berufswunsch nachgehen. 2 Kinder wollten das Kleben von Reifen im Atelier von Moumouni Kanazoé erlernen. 3 weitere Jugendliche interessierten sich für die Motorradmechanik im Atelier von Mahamoudou Compaore. An der Automechanik waren 2 Kinder interessiert. Der Kurs wurde von Alexandre Ouadraogo erteilt. Im Workshop von Pascal Ouiya, unserem Nachtwächter, wurde 1 Jugendlicher bereits zum 2. Mal in das Waschen und Bügeln von Kleidungsstücken eingeführt. Unter der Leitung von Mahamadi Nikiema, unserem Hauswart haben die Bewohner während der drei Wochen der ersten Phase des Ferienlagers Gräben ausgehoben, in denen Reifen platziert wurden, um die Vorderseite des Zentrums abzugrenzen. Das wurde nötig, weil die Anwohner diesen Teil, der zum Heim gehört, immer wieder unrechtmässig in Beschlag nahmen.
Fussballtraining
Die Einführung in das Fussballspiel wird seit Jahren von Sié Parfait Palm vom Zenith Sport Management (ZSM) gegeben. Mit grossem Eifer trainierten in der ersten Phase 16 Kinder, und in der zweiten Phasen 18 Kinder täglich während 2½ Stunden das Fussballspiel. Der Trainer ist mit der Disziplin und den Fortschritten der Kinder sehr zufrieden.
Informatik
Unter der Leitung von Youssouf Barry, einem Informatiker, wurden 8 Jugendliche in der ersten Phase an 3 Tagen und 12 Kinder in der zweiten Phase ebenfalls an 3 Tagen in die Handhabung eines Computers eingeführt. Die Schulung konzentrierte sich auf die Anwendung mit der Software Microsoft Word sowie der Wartung und Reparaturen an einem Laptop. Dafür zerlegten und reinigten sie die zur Verfügung stehenden Geräte und setzten sie wieder zusammen.
Reparaturen
Wie jedes Jahr fallen Reparaturen an Gebäuden und Infrastrukturen an. Die Garantien für Gebäude und Geräte werden nachgeführt. Alle drei Wochen werden die Solarpaneele überprüft und gereinigt. Die Klärgruben müssen entleert werden und die Türen erhalten einen neuen Anstrich. Diese Arbeiten werden durch unseren neuen Hauswart Mohamandi Nikièma ausgeführt und überwacht.
Die Festtage der verschiedenen Religionen wie der Ramadan, das islamische Osterfest, das Tabaski sowie das Oster- und Weihnachtsfest der Christen konnten wie geplant durchgeführt werden.
Das Heim wurde im Kalenderjahr 2024 von 10 verschiedenen Institution besucht und beschenkt.
Der Chramschopf Zollikerberg überwies uns im Juli wieder die grosszügige Spende von CHF 15’000.00 Hier darf erwähnt werden, dass der Chramschopf seit der Gründung des Kinderheims im Jahre 1994 bis heute CHF 488'000 gespendet hat. Marianne und Hans Theurer verkauften wie jedes Jahr mit grossem Erfolg riesige Mengen an selbstgemachter Konfitüre. Bereits im Treppenhaus riecht es verführerisch. Im Gesamten erhielten wir im Kalenderjahr 2024 Spendengelder über CHF 49’948.00. Wir dürfen seit sehr vielen Jahren auf treue Spender zählen.
Wir haben die Unterhaltszahlungen für Béog-Neeré in zwei Tranchen überwiesen. Am 5. Dezember 2023 wurde die erste Tranche von CHF 27'500.00 für das Betriebsjahr 2024 überwiesen und am 24. Juni 2024 CHF 35'000.00 für das 2. Semester. Damit kann der Betrieb reibungsfrei aufrechterhalten werden. Der Unterhalt für Béog-Neeré beläuft sich im Kalenderjahr 2023 auf Total CHF 62’500.00 Diesen Betrag gaben wir für den Unterhalt des Zentrums, die Lohnerhöhungen für das Personal, das zum ersten Mal in den Genuss einer solchen kam und diversen kleineren Instandsetzungen aus.
Im Gesamten überwiesen wir für das Jahr 2024 CHF 87'750.00 nach Burkina, wovon am 3. Dezember 2024 CHF 25'250 für die 1. Tranche des neue Betriebsjahr einbezahlt wurde.
Im vergangenen Vereinsjahres haben Marianne und ich uns einige Male zu Ausschusssitzungen getroffen. Über den reibungslosen Ablauf im Heim, die der guten Führung von Solange Tassembedo und ihren Mitarbeitern zuzuschreiben ist, freuen wir uns sehr. Wir werden regelmässig über die Fortschritte und deren Entwicklung informiert. An dieser Stelle möchte ich Marianne ganz herzlich für ihren riesigen Arbeitseinsatz danken wie auch dem übrigen Vorstand für ihre Unterstützung in den Diensten unserer Kinder von Béog-Neeré.
Im Juni 2025 Monika Kessler
P.S. Das Schuljahr in Burkina Faso beginnt im September und endet am 31. Mai. Die erhobenen Zahlen der Kinder und der Erwachsenen stammen alle zu Beginn des neuen Schuljahres 2024/2025.